| Das Pferd, unser
Freund.
Die Domestikation der Pferde begann vor etwa 5000
Jahren, als frühe Zivilisationen im Fernen Osten Pferde an menschliche Nähe gewöhnten.
Da aber auf Höhlenmalereien bereits Zeichnungen gefunden wurden, welche eine Art Zaumzeug
darstellen, ist es durchaus möglich, daß auch schon frühere Kulturen in der Lage
gewesen sind, Pferdearten zu zähmen und für ihre Zwecke zu gebrauchen. Die Begegnung
Mensch und Pferd begann sicherlich durch die Jagd.
Der Ursprung der Hauspferde
Alle heutigen Pferderassen gehen auf wenige Ur-Stuten zurück. Deutsche und britische
Wissenschaftler konnten jetzt den Stammbaum der Hauspferde rekonstruierten. Alle heutigen
Pferde gehen auf mindestens 77 wilde Stuten zurück. Diese Urmütter stammten vermutlich
aus verschiedenen Regionen. Daher erlaubt der Befund auch Einblicke in die Ausbreitung der
frühen Europäer und ihrer Sprache, berichten deutsche und britische Wissenschaftler in
den "Proceedings of the National Academy of Sciences".
Schon früher war vermutet worden, dass die heutigen Hauspferde von vielen
unterschiedlichen Wildpopulationen abstammen. Ein Hinweis dafür war beispielsweise, dass
vor über 12.000 Jahren in Alaska lebende Wildpferde im Vergleich mit heutigen Pferden
genetisch relativ homogen waren. Dabei stellte sich jedoch die Frage nach einer
geographischen Isolation dieser Gruppe von Wildpferden während der Eiszeit.
Thomas Jansen von der Firma Biopsytec Analytik in Rheinbach und seine Kollegen
sequenzierten nun Mitochondrien-DNA, die ausschließlich vom Muttertier auf ihre
Nachkommenschaft vererbt wird, von 25 orientalischen und europäischen Pferderassen. Diese
318 neuen kombinierten sie mit bereits 334 veröffentlichten Erbgutsequenzen und
rekonstruierten den Stammbaum der Pferde.
Insgesamt ließen sich die Sequenzen 17 großen Gruppen zuordnen, für die es zum Teil
auch ein geografisches Pendant gab. In zwei dieser Gruppen fanden sich beispielsweise die
nordeuropäischen Ponys, in einer Gruppe die urtümlichen Przewalski-Pferde. Eine weitere
Gruppe enthielt fast ausschließlich Senner, eine aus der Nähe von Paderborn stammende
Pferderasse, deren Linie sich bis zu einer einzigen, im Jahr 1725 geborenen Stute namens
David zurück verfolgen lässt.
Die 17 Gruppen setzten sich wiederum aus insgesamt 81 DNA-Typen zusammen, von denen vier
vermutlich erst nach der Domestikation entstanden sind. Die genetische Vielfalt der
heutigen Pferde geht also auf mindestens 77 Wildstuten zurück, die nach Ansicht der
Forscher aus verschiedenen Gebieten stammten.
Dies müsse jedoch nicht unbedingt bedeuten, dass die Techniken zur Zähmung der
Wildpferde in diesen Gebieten unabhängig voneinander entwickelt wurden. Je nach
Temperament der Pferde-Urahnen sei dies sogar eher unwahrscheinlich, schreiben Jansen und
seine Kollegen.
Der älteste definitive Beweis für die Domestikation der Pferde sei ein rund 4.000 Jahre
altes Streitwagen-Grab in der osteuropäischen Steppe, rund 800 Jahre später habe es
Streitwagen auch in Griechenland und China gegeben. Vielleicht seien die Kenntnisse um die
Pferdezucht nur in einer Region entwickelt worden und seien dann in andere Gebiete
getragen worden
Schnell merkte der Mensch, daß er Pferde für die Beförderung von Waren und anderen
Gegenständen gut einsetzen konnte. So wurde aus dem wegen seines Fleisches gejagten Pferd
das domestizierte Packpferd. Geritten wurden Pferde wohl als erstes von den Persern, die
bereits 500 v. Chr. schon über eine mächtige Kavallerie verfügten. Ihre Gegner benutzen
die Pferde damals noch überwiegend zum Ziehen der schweren Kampfwagen.
Nach und nach wurde das Pferd für alle möglichen Arbeiten eingesetzt, in erster Linie
als Lasttier, das änderte sich bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts kaum. Als Lasttier
wurden zunächst kleinere Arten herangezogen, die größeren und kräftigeren Tiere setzte
man im Krieg ein.
Mit der Erfindung der Schußwaffen, dem Ablegen der Rüstung und durch immer leichteres
Gerät wurden diese kräftigen Pferde bald nicht mehr für den Krieg gebraucht und konnten
für andere Arbeiten herangezogen werden. Die Industrialisierung nahm ihren Lauf
und die Pferde wurden für den Transport von Waren und anderen Gütern eingesetzt.
Hierfür bevorzugte man nun die großen und kräftigen Pferde, wie zum Beispiel das Shire
Horse. Es wurden somit vermehrt Kaltblüter gezüchtet. Diese spielten auch in der
Landwirtschaft ein große Rolle, das Pferd löste den Ochsen vor dem Pflug und bei anderen
Aufgaben ab. Im 19 Jahrhundert dann wurden immer mehr Straßen gebaut, die Kutschen wurden
immer leichter, die Kunst der Kutschenbauer erlebte eine Blüte. Für diese leichten
Kutschen bevorzugte man nun leichtere Pferde, wie Traber und Hackneys. Der Fortschritt
ging weiter.
Eisenbahn und motorisierte Wagen wurden eingeführt und das Pferd verlor immer mehr an
Bedeutung, die Zugrassen schienen vom Aussterben bedroht zu sein. Doch auch schon damals
gab es kluge Köpfe die erkannten, dass der Einsatz von Pferden auf kurzen und v.a.
unwegsamen Strecken immer noch am Preiswertesten ist. So sind uns bis ins heutige
Jahrhundert viele der Kaltblüter, und natürlich auch der anderen Rassen, erhalten
geblieben.
Die Kaltblüter werden heute in der Landwirtschaft kaum noch eingesetzt, aber beim
Holzrücken im Wald kommen sie immer mehr wieder zum Einsatz. Wir finden sie, besonders
das Shire Horse, auf Showveranstaltungen unter dem Sattel, sehen diese prächtigen Pferde
bei Paraden und Umzügen vor der Kutsche. Und zum Glück befördern viele
traditionsverbundene Brauereien ihre Bierfässer bei Umzügen immer noch mit prächtig
anzusehenden Kaltblütern und Kutschen.
Die kleineren, leichteren, Rassen haben ihren Einsatz heute sowohl bei der Arbeit, als
auch in Freizeit und Sport.
So gibt es in vielen Ländern die "Berittene Polizei", eine der bekanntesten ist
die Royal Canadian Mounted Police. In Texas werden Pferde immer noch traditionsgemäß
für das Treiben mit Rindern eingesetzt und der Pferdesport wird immer beliebter. Eine der
ältesten
Pferdesportarten ist das Jagen. Zu Beginn jagte man zu Pferde den Hirsch, in den
englischsprachigen Ländern jagt man heute den Fuchs. Polo ist eine weitere altbekannte
Sportart, die möglicherweise aus Persien stammt. Pferderennen sind seit vielen hundert
Jahren auf der ganzen Welt beliebt, ebenso der Trab- und Galoppsport. Aber auch das
Gespannfahren findet immer mehr Zuschauer und erfreut sich wachsender Begeisterung.
Weil die Pferdezucht sich nun mehr auf den Wettbewerb als auf militärischen
Nutzen konzentrierte, wurden immer edlere Pferde gezüchtet, sogar für das Gespannfahren.
Viele Rassen konnten dadurch immer höhere Qualitätsansprüche erfüllen. Besonders
deutlich wird dies bei vielen europäischen Warmblutrassen wie z.B. dem Schwedischen
Warmblut, dem Hannoveraner, dem Holsteiner oder dem Trakehner. Verbessert wurden die
Zuchten durch das Einbringen von Vollblütern, Arabern, und anderen.
Die Einsatzgebiete der Pferde sind also heute wieder sehr vielfältig.
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Quelle: Teilweise www.reiten.de |